Einleitung: Diese Tiere sind nicht das Problem, sie sind die Diagnose
Ende September, nach drei Tagen Dauerregen, wiederholt sich das Szenario in Tausenden Wohnungen: ein Dutzend graue, zusammengerollte Kellerasseln unter der Waschmaschine, ein schwarzer Tausendfüßer, der die Sockelleiste im Bad entlangläuft, und manchmal jene schnelle, vielbeinige Silhouette, die in einer Sekunde über die Decke schießt – der Spinnenläufer, unangefochtener Spitzenreiter im Auslösen häuslicher Panik.
Die spontane Reaktion: Insektenspray und Staubsauger. Eine Woche später sind dieselben Tiere wieder da, an derselben Stelle. Das ist kein Versagen des Produkts, sondern ein Hinweis darauf, dass das Produkt nicht das eigentliche Problem behandelt. Alle drei Arten teilen eine entscheidende physiologische Eigenschaft: Sie können Wasser nicht zurückhalten. Ihre Kutikula ist durchlässig, in trockener Luft trocknen sie binnen weniger Stunden aus. Ihre Anwesenheit bei Ihnen ist deshalb kein Zufall, sondern eine wandelnde Luftfeuchtemessung.
Anders gesagt: Eine Wohnung, in der sich Kellerasseln dauerhaft im Innenbereich halten, hat irgendwo einen unerwünschten Wassereintrag – aufsteigende Feuchtigkeit, eine gerissene Duschfuge, eine verstopfte Lüftung, Erdreich in direktem Kontakt mit einer erdberührten Wand. Dieser Leitfaden zeigt, wie man diese Hinweise liest wie ein Fachmann, und dann in der richtigen Reihenfolge handelt: erkennen, trocknen, abdichten – und erst als letztes Mittel behandeln.

Drei sehr unterschiedliche Untermieter hinter Ihren Sockelleisten
Man fasst sie bequem unter dem Etikett „Feuchtigkeitsgetier" zusammen, doch ihre Lebensweisen unterscheiden sich – und das ändert den Umgang mit ihnen.
| Art | Aussehen | Ernährung | Typische Herkunft | Tatsächliches Risiko |
|---|
| Kellerassel (Porcellio, Armadillidium) | 8–18 mm, graubraun, segmentierter Panzer, rollt sich zusammen | Detritusfresser: feuchtes Holz, zersetztes Laub | Erde, Mulch, direkt an der Wand gestapeltes Holz | Keines (Landkrebs, sticht nicht) |
| Tausendfüßer / Schnurfüßer (Julidae) | 2–4 cm, zylindrischer schwarzer Körper, rollt sich spiralförmig ein | Verrottende Pflanzenteile | Gartenboden, Kriechkeller, schlecht gedämmte Bodenplatte | Keines; riechendes Sekret beim Zerdrücken |
| Spinnenläufer (Scutigera coleoptrata) | 2–3 cm Körperlänge, 15 Paar lange Beine, sehr schnell | Räuber: Spinnen, junge Schaben, Silberfischchen | Risse, Keller, Installationsschächte | Biss sehr selten, harmlos |
Die Kellerassel ist kein Insekt: Sie ist ein Isopoden-Krebstier, eine landlebende Verwandte der Garnelen, die über Pseudotracheen atmet und dafür dauerhafte Feuchtigkeit braucht. Sie sticht nicht, beißt nicht, überträgt keine Krankheiten und befällt kein gesundes Holz – sie frisst Holz, das bereits durch Pilze zersetzt ist. Kellerasseln in einer Innensockelleiste sind daher ein ernstes Signal: In der Nähe befindet sich vermutlich feuchtes oder gar faulendes Holz.
Der Tausendfüßer (der Schnurfüßer, nicht zu verwechseln mit dem Hundertfüßer) ist ein echtes Bodentier. Er gerät versehentlich hinein, geleitet von negativem Phototropismus, wenn Regen den Gartenboden sättigt und ihn aus seinen Gängen vertreibt. Im Inneren stirbt er meist innerhalb von 24 bis 48 Stunden, ausgetrocknet.
Der Spinnenläufer verdient eine wichtige Differenzierung: Er ist ein Verbündeter. Er jagt aktiv Silberfischchen, junge Schaben, Spinnen und Mücken. Seine Anwesenheit zeigt zweierlei: Feuchtigkeit und ein ausreichendes Beuteangebot. Ihn zu beseitigen, ohne den Rest anzugehen, heißt, einen natürlichen Regulator auszuschalten. Viele Fachleute sagen es unumwunden: Lieber ein Spinnenläufer als eine Kolonie Silberfischchen.
Lesehilfe: Eine verirrte Kellerassel am Fuß einer Terrassentür im Oktober ist banal. Zwanzig Kellerasseln unter einem Badezimmermöbel, Woche für Woche, weisen auf einen Bauschaden hin, den es zu finden gilt.
Warum sich die Meldungen zwischen September und November häufen
Der Kalender ist kein Zufall. Im Herbst überlagern sich drei Faktoren.
1. Die Sättigung der Böden. Nach den Spätjahresregen füllt Wasser die Bodenporen. Die Gänge der Schnurfüßer und die Verstecke der Kellerasseln werden unbewohnbar: Die Tiere steigen an die Oberfläche und suchen trockenen Unterschlupf – unter einer Plane, einem Topf, einer Terrassenstufe … oder jenseits der Schwelle Ihres Garagentors.
2. Der Rückgang der Nachttemperaturen. Sobald das Thermometer nachts unter 10–12 °C fällt, werden Kriechkeller, Untergeschosse und Garagen, die gemäßigt bleiben, zu thermisch vorteilhaften Rückzugsorten.
3. Der Heizbeginn. Beim Heizen entsteht ein Gefälle zwischen der dampfgesättigten Innenluft (Duschen, Kochen, Wäschetrocknen) und den kalten Wandflächen. Der Dampf kondensiert an den Schwachstellen: Ecken von Nordwänden, Rückseiten von Schränken, Fensterlaibungen. Diese Kondensation erhält genau jenes Mikroklima, das diese Arten suchen.
Die französische Umwelt- und Energieagentur ADEME (Agence de la transition écologique) erinnert daran, dass ein Vierpersonenhaushalt üblicherweise 10 bis 15 Liter Wasserdampf pro Tag in der Wohnung freisetzt. Ohne wirksamen Luftaustausch bleibt dieses Wasser in Wänden und Mobiliar. Die Kellerasseln nutzen lediglich ein Umfeld, das ihnen zusagt.
Die Diagnose in Eigenregie: dem Wasser folgen, nicht dem Tier
Vor jeder Behandlung löst eine methodische Inspektion 80 % der Fälle. Sie dauert eine Stunde.
Schritt 1 – Die tatsächliche Luftfeuchtigkeit messen
Der Eindruck täuscht: Ein Raum kann „kühl" und nicht feucht wirken – und dennoch 78 % relative Luftfeuchte aufweisen. Ein kleines digitales Thermo-Hygrometer, einige Tage in jedem kritischen Raum aufgestellt (Bad, Waschküche, Keller, Zimmer an der Nordwand), liefert eine genaue Karte der Wohnung. Die nützlichen Richtwerte:
- 40–60 % rF: Komfortbereich, keine feuchtigkeitsliebende Art siedelt sich dauerhaft an.
- 60–70 % rF: Warnbereich, Silberfischchen und Schimmel können auftreten.
- > 70 % rF: Idealbedingungen für Kellerasseln, Schnurfüßer, Spinnenläufer und holzzerstörende Pilze.
Schritt 2 – Eintrittsstellen in Bodennähe suchen
Diese Tiere kriechen: Sie kommen von unten herein. Nehmen Sie eine Lampe und inspizieren Sie auf Knien die Peripherie der Wohnung:
- Unterkanten von Garagen- und Kellertüren (ein Spalt von 5 mm genügt völlig);
- Schwellen von Terrassentüren und Schienen von Schiebeelementen;
- Rohr- und Kabeldurchführungen durch erdberührte Wände;
- durch Laub verstopfte Lüftungsgitter des Kriechkellers;
- Risse in der Bodenplatte, vor allem entlang tragender Innenwände.
Schritt 3 – Den Außengürtel prüfen
Die 50 Zentimeter entlang der Fassade sind entscheidend. Dort findet sich fast immer die Quelle: dicker Mulch an der Wand, direkt auf dem Boden stehende Pflanzkübel, an das Haus gelehnter Holzstapel, überlaufende Dachrinne, die den Mauerfuß bewässert, bis über die Abdichtungsebene angeschüttetes Erdreich. Jedes dieser Elemente ist eine Kinderstube für Kellerasseln, dreißig Zentimeter von Ihrer Tür entfernt.

Trocknen: die Maßnahme, die das Problem wirklich löst
Diesen Arten das Wasser zu entziehen ist wirksamer als jedes Insektizid – und der Effekt hält an.
Richtig lüften
Die kontrollierte Wohnraumlüftung ist das Erste, was zu prüfen ist. Ein verschmutzter Abluftauslass verliert einen großen Teil seines Volumenstroms. Bauen Sie die Auslässe in Bad und Küche aus, waschen Sie sie mit Seifenwasser und prüfen Sie, ob ein Blatt Papier angesaugt haften bleibt, wenn die Anlage läuft. Fällt es herunter, zieht die Anlage nicht mehr.
In einer Wohnung ohne mechanische Lüftung gilt weiterhin die Stoßlüftung: 5 bis 10 Minuten, Fenster weit geöffnet, zweimal täglich, auch im Winter. Entgegen einem hartnäckigen Irrglauben kühlt das die Wände nicht aus, sie behalten ihre Speichermasse; abgeführt wird nur der Wasserdampf.
Räume entfeuchten, die sich nicht lüften lassen
Ein erdberührter Keller, ein halbfensterloses Untergeschoss oder eine Waschküche ohne Fenster lassen sich nicht durch Lüften sanieren. Ein elektrischer Kondensationsentfeuchter mit passender Leistung senkt die Luftfeuchtigkeit in wenigen Tagen unter 55 %, und die Wirkung auf Kellerassel- und Silberfischchenpopulationen ist spektakulär: ohne Wasser verlassen sie die Zone oder sterben. Für kleine Schränke und geschlossene Stauräume genügen Luftentfeuchter mit Nachfüllpacks – vorausgesetzt, die Tabs werden regelmäßig gewechselt.
Die bauliche Ursache beheben
Bleibt die Luftfeuchtigkeit trotz korrekter Lüftung hoch, liegt ein Bauschaden vor: aufsteigende Feuchte, fehlende Horizontalsperre, seitlich eindringendes Wasser, eine undichte Leitung. Eine Feuchtediagnose durch einen Baufachmann ist dann die richtige Ausgabe – lange vor der für eine chemische Behandlung. In Wohnungseigentümergemeinschaften betreffen solche Schäden häufig das Gemeinschaftseigentum: siehe unseren Artikel zur Verteilung der Schädlingskosten zwischen Vermieter, Mieter und Verwaltung.
Zugänge verschließen: die Abdichtungsarbeit
Ist die Luft saniert, bleibt noch, die Türen zu schließen.
- Türunterkanten: Eine Bürstendichtung oder eine Doppellippen-Türbodendichtung an Garage und Keller beseitigt den wichtigsten Eintrittskorridor. Das ist die Maßnahme mit dem besten Preis-Wirkungs-Verhältnis.
- Risse und Leitungsdurchführungen: Acryl-Dichtstoff für innen, Polyurethan-Dichtstoff für wasserbelastete Bereiche. Niemals ein Kriechkellergitter zusetzen: Es muss offen bleiben, aber geschützt sein.
- Gitter und Lüftungsöffnungen: Ein feinmaschiges Edelstahl-Lüftungsgitter gegen Nagetiere lässt Luft durch und hält Kriechtiere ab; an Kellerfenstern erfüllt es zugleich den Zweck der Nagetierabwehr.
- Schwellen von Fenstertüren: Schienen reinigen, Wasserablauflöcher freilegen, gequetschte Dichtungen ersetzen.
Außen sollten Sie einen Streifen von 30 bis 40 cm am Mauerfuß freihalten: Dränkies statt organischem Mulch, Töpfe auf Füßen erhöht, Brennholz mit Abstand und erhöht gelagert, Dachrinnen und Schächte vor dem Winter gereinigt.
Behandlungen: was nützt und was nicht
Die Sofortmaßnahmen
Für sichtbare Tiere bleibt der Staubsauger das Mittel der Wahl: schnell, ohne Chemie, und er entfernt auch Eier und Ablagerungen, von denen sich Detritusfresser ernähren. Beutel oder Behälter draußen entleeren.
Bei Spinnenläufern ist die einfachste Methode, sie mit einem Glas und einem Blatt Papier zu fangen und draußen freizulassen. Nicht vergessen: Sie fressen Ihre Silberfischchen.
Mechanische und mineralische Barrieren
Kieselgur (fossiles Kieselsäurepulver, für den insektiziden Einsatz nicht in Lebensmittelqualität) wirkt durch Abrieb der Kutikula und führt zur Austrocknung. Sie ist wirksam gegen Kellerasseln und Silberfischchen, sofern sie in sehr dünner Schicht, in trockenen und unzugänglichen Bereichen ausgebracht wird (unter Unterschränken, in Hohlräumen hinter Sockelleisten, entlang von Kellerwänden). Nass verliert sie jede Wirkung. Tragen Sie beim Ausbringen eine Maske: Die französische Behörde ANSES weist darauf hin, dass das Einatmen feiner Stäube die Atemwege reizt.
Flache Klebefallen entlang der Sockelleisten und hinter Geräten lösen für sich genommen nichts, sind aber ein hervorragendes Monitoring-Werkzeug: Sie zeigen, wo die Tiere laufen und ob die Population nach Ihren Maßnahmen zurückgeht.
Was zu vermeiden ist
- Insektizid-Vernebler („Fogger") bei einem Feuchtigkeitsproblem: Sie töten die anwesenden Tiere, nicht die Ursache, und belasten den Haushalt unnötig.
- Großflächige Sprühbehandlungen im Außenbereich, die Nützlinge treffen (Laufkäfer, Spinnen, Bestäuber), ohne nachhaltige Wirkung, da Regenwasser die Mittel abwäscht.
- Ultraschall-Vertreiber, deren Wirksamkeit gegen kriechende Gliederfüßer keine unabhängige Studie belegt hat.
- Der Einsatz nicht zugelassener oder alter Produkte: Die französische Verbraucherschutzbehörde DGCCRF (Direction générale de la concurrence, de la consommation et de la répression des fraudes) weist regelmäßig darauf hin, dass im häuslichen Bereich nur Biozidprodukte mit gültiger Zulassung verwendet werden dürfen.

Wann wirklich Anlass zur Sorge besteht: die Signale, die man nicht übersehen darf
Diese drei Arten sind harmlos. Doch sie begleiten mitunter Probleme, die richtig teuer werden.
Kellerasseln in großer Zahl in einem Wohnraum. Kommen ein modriger Geruch, ein „nachgebendes" Parkett unter dem Fuß oder weiche Sockelleisten hinzu, muss nach holzzerstörenden Pilzen gesucht werden (Echter Hausschwamm, Kellerschwamm). Der Hausschwamm ist auch ein immobilienrechtliches Thema: In den von einer Präfekturverordnung betroffenen Departements ist die Information von Käufer oder Mieter beim Verkauf oder bei der Vermietung verpflichtend.
Zusammenleben mit zahlreichen Silberfischchen. Das ist das Zeichen einer seit Langem bestehenden Feuchtigkeit, häufig verbunden mit einem generellen Lüftungsproblem.
Gleichzeitiges Auftauchen von Schaben. Vorsicht bei der Differenzialdiagnose: Deutsche Schaben suchen die Wärme und Feuchtigkeit von Installationsschächten. Finden Sie zusätzlich zu den Kellerasseln schwarzen Kot in Pfefferkorngröße und einen süßlichen Geruch, ändert sich die Sachlage grundlegend und erfordert eine professionelle Behandlung – siehe unsere Seiten zu Schaben und zu unseren Bekämpfungsleistungen.
Anhaltender Kanalgeruch. Ein leergelaufener Siphon (Waschküche, Keller, Garage) lässt Kanalluft aufsteigen – eine Feuchtequelle und ein möglicher Zugang für andere Schädlinge. Gießen Sie einen Liter Wasser mit etwas Pflanzenöl in selten genutzte Siphons, um den Wasserverschluss zu erhalten.
Das Vorgehen in fünf Schritten
- Messen: die Luftfeuchtigkeit jedes kritischen Raums eine Woche lang erfassen.
- Trocknen: Lüftungsauslässe reinigen, zweimal täglich stoßlüften, in fensterlosen Räumen einen Entfeuchter aufstellen.
- Freiräumen: den Außengürtel entlasten – Mulch, Holz, Töpfe, Dachrinnen.
- Abdichten: Türunterkanten, Risse, Leitungsdurchführungen, Gitter.
- Kontrollieren: Monitoringfallen entlang der Sockelleisten, wöchentliche Zählung. Eine auf ein Zehntel reduzierte Population binnen drei Wochen bestätigt, dass die Ursache behoben ist.
Wenn die Tiere trotz dieser fünf Schritte an derselben Stelle wieder auftauchen, ist die Wasserquelle baulich und nicht verhaltensbedingt: Dann ist eine Feuchtediagnose zu beauftragen, kein Insektizid.
Fazit: Die beste Waffe gegen Feuchtigkeit ist kein Insektizid
Kellerasseln, Schnurfüßer und Spinnenläufer zerstören nichts, stechen nicht und übertragen keine Krankheiten. Dennoch haben sie einen echten Informationswert: Sie markieren die Stellen, an denen Ihre Wohnung Wasser eindringen oder zurückhalten lässt. Mit Chemie zu antworten heißt, den Zeugen zu beseitigen, ohne das Leck zu reparieren.
Wer Luftfeuchtigkeit, Lüftung und bodennahe Zugänge in den Griff bekommt, löst nicht nur diese herbstlichen Erscheinungen, sondern beseitigt auch einen Teil der günstigen Bedingungen für Silberfischchen, Schimmel und – weiter gefasst – Schaben. Es ist dieselbe Baustelle – und die einzige, die von Jahr zu Jahr Bestand hat.