Fünf Jahre nach der ersten amtlichen Feststellung in Marseille setzt die Orientalische Hornisse (Vespa orientalis) ihre Ansiedlung in Frankreich fort. Bis vor kurzem auf den Mittelmeerstreifen beschränkt, ist die Art mittlerweile in mehreren Departements im Südosten dokumentiert und wurde im Januar 2026 mit einer isolierten Meldung in Blois (Loir-et-Cher) registriert. Für Privatpersonen, Imker und Verantwortliche für öffentliche Räume zwingt dieser Neueinwanderer dazu, die Überwachungs- und Bekämpfungsreflexe zu überdenken, denn seine Biologie entspricht nicht derjenigen der Asiatischen Hornisse.
Woher kommt die Orientalische Hornisse?
Die Orientalische Hornisse ist eine mediterrane Art, die in einer ausgedehnten Zone von Südeuropa bis Zentralasien heimisch ist. In Nordfrankreich hat sie nichts zu suchen. Ihre Ankunft in Marseille hängt vermutlich mit dem Schiffsverkehr zusammen: Die ersten Beobachtungen von 2021 wurden im Stadtteil La Cabucelle gemacht, in der Nähe eines Brachgeländes der Saint-Louis-Fabrik nahe dem Hafen, sowie entlang des Baches Aygalades, einem Nord-Süd-Ausbreitungskorridor.
Die Hypothese einer Einschleppung über importierte Waren (Holz, Ziersteine, Container) wird heute von den Teams des MNHN und PatriNat bevorzugt, die die Ausbreitung der Art über das Portal frelonasiatique.mnhn.fr verfolgen.
Stand der Ausbreitung 2021-2026
| Jahr | Wichtigste Beobachtung |
|---|---|
| 2021 | Erstes bestätigtes Nest in Marseille (La Cabucelle) |
| 2022 | In Plan-de-Cuques zerstörtes Nest, Verdachtsfälle im Großraum Marseille |
| 2023 | Nachweis in Var und Alpes-Maritimes — Aufnahme in Anhang II der IAS (invasive gebietsfremde Arten) |
| 2024-2025 | Stabilisierung der Beobachtungen in PACA, Zunahme der Meldungen in Italien und Belgien |
| Januar 2026 | Isolierte Meldung in Blois (Loir-et-Cher), ausstehend Bestätigung |
Das aktuell dokumentierte Verbreitungsgebiet bleibt PACA (Bouches-du-Rhône, Var, Alpes-Maritimes, Vaucluse). Die Meldung aus Blois, die von einer einzigen Imkerquelle stammt, wurde noch nicht von einer offiziellen Stelle bestätigt, verdeutlicht aber das Ausbreitungspotenzial der Art: Königinnen können bei der Nestgründung mehrere Kilometer zurücklegen.
Wie erkennt man die Orientalische Hornisse?
Die Verwechslungsgefahr mit der Asiatischen Hornisse (Vespa velutina) und der Europäischen Hornisse (Vespa crabro) ist hoch. Dabei sind die Anzeichen eindeutig:
- Gleichmäßig rotbrauner Hinterleib mit einem breiten gelben Band — und nicht der dunkle Hinterleib der Asiatischen Hornisse oder das leuchtende Gelb mit schwarzen Punkten der Europäischen Hornisse.
- Von vorne gesehen oranger, fast roter Kopf — das zuverlässigste Feldmerkmal.
- Rotbraune Beine mit geringem Kontrast.
- Größe ähnlich der Asiatischen Hornisse (Arbeiterinnen 18-23 mm, Königinnen 25-30 mm).
Die anatomische Tafel des MNHN unten zeigt jedes Segment im Detail.

Eine Biologie, die alles an der Bekämpfung verändert
Anders als die Asiatische Hornisse, die kugelförmige, frei hängende Nester baut, hat die Orientalische Hornisse eine Besonderheit: sie nistet im Boden oder in Hohlräumen (Hohlblocksteinmauern, Rollladenkästen, unter Platten, alte Bauten, trockene Böschungen). Es ist keine äußere Hülle sichtbar. Direkte Folgen:
- Frühjahrsfang mit Flaschen oder Königinnenfallen bleibt sinnvoll, muss aber gezielt auf bekannte Nistplätze ausgerichtet werden.
- Oberirdische Nestzerstörung mit Teleskopstange ist wirkungslos: Der Hohlraum muss geöffnet, das Biozid ins Herz der Brut gespritzt und anschließend verschlossen werden.
- Die Aggressivität bei der Nestverteidigung ist stärker ausgeprägt als bei V. velutina, mit einem Angriffsradius, der mehrere Meter erreichen kann.
Diese Nistweise erklärt, warum die für die Asiatische Hornisse entwickelte nationale Strategie — oft reduziert auf das Aufspüren von Nestern in der Höhe — nicht übertragbar ist. Die Bekämpfung erfordert eine vorherige Diagnose durch einen geschulten Operator, der den Hohlraum lokalisieren und die Methode anpassen kann.



